Impulse

Das Märchen vom wechselnden Glück

Ein Mann hatte nur einen Sohn; auf ihn war er sehr stolz. Eines Tages, als der Sohn mit den Pferden auf der Weide war, gesellte sich ein Wildpferd zu seiner Herde. Die Nachbarn beglückwünschten den Vater: Er habe einen tüchtigen Sohn und jetzt noch ein Extra-Pferd! Der Vater nickte bedächtig: Er wisse allerdings nicht ob dies Glück bedeutete oder Unglück. Ein paar Tage später brach der Sohn ein Bein – beim Einreiten des Wildpferds. Die Nachbarn murmelten: „Welch ein Unglück“. Der Vater nickte bedächtig – er wisse nicht, ob es Unglück oder Glück bedeute. Da brach der Krieg im Land aus, und alle jungen Männer wurden eingezogen, ausgenommen der Sohn des Alten, der mit dem gebrochenen Bein. Jetzt sagten die Nachbarn: „Du Glücklicher, dein Sohn wird vom Kriegsgeschehen verschont!“ Und wieder murmelte der Vater: Was ist Glück, was Unglück – wer weiß das schon?

(Aus: Adalbert Ludwig Balling, Gottesspuren Verlag Herder, Freiburg, 2. Auflage 2001)

Der gerechte Vater

Ein junger Mann war bei einem älteren Freund zu Gast, dessen Gerechtigkeitssinn gerühmt wurde. Er sah, wie der Ältere mit seinen Kindern umging, und er wunderte sich sehr: „Du sagst, dass du jedes deiner Kinder so liebst wie das andere. Nun sehe ich aber, dass du sie unterschiedlich behandelst. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?“ „Sie besteht darin, antwortete der Ältere, „dass ich mich bemühe, jedem Kind gerecht das zuzuteilen, was es braucht. Würde ich sie alle gleich behandeln, wäre ich wohl sehr ungerecht.“

(Aus: Kurt Bucher, Wegmarken. Rex Verlag, Luzern 1980)

Gebet

loslassen lernen
dich so loslassen
dass du die Fehler machen kannst
die du machen willst
dass du mich ablehnen kannst
dass du neue Werte finden kannst
dass du deine Meinung ändern kannst
wenn ich dich gerade verstanden habe
dass du dir zuviel Sorgen machen kannst
dass du dir nicht genug Sorgen machen kannst
dich so loszulassen
das muss ich lernen

ich muss dich ziehen lassen
in ein unbehütetes Leben
in ein einsames Leben in dein Leben
getragen von deinen Entscheidungen
denn ich kann nicht dein Vormund sein
ich kann nicht über dich bestimmen
auch nicht in Kleinigkeiten
ich muss lernen dich loszulassen
so einfach
und doch so schwer.

(Aus: Ullrich Schaffer, Wachsende Liebe, Onchen Verlag, Wuppertal und Kassel, 12. Auflage 1990)

Segensgebet

Der Herr segne dich
Er erfülle dein Herz mit Ruhe und Wärme,
deinen Verstand mit Weisheit,
deine Augen mit Klarheit und Lachen,
deine Ohren mit wohltuender Musik,
deinen Mund mit Fröhlichkeit,
deine Nase mit Wohlgeruch,
deine Hände mit Zärtlichkeit,
deine Arme mit Kraft,
deine Beine mit Schwung,
deine Füße mit Tanz,
deinen ganzen Leib mit Wohlbefinden.

So lasse der Herr alle Zeit seinen
Segen auf dir ruhen.
Er möge dich geleiten und beschützen,
dir Freude schenken dein Leben lang,
dir Mut zusprechen in schweren Zeiten.

(Heinz Pangels Nach einem Segen aus Afrika, Aus: Jörg Zink, Gesegnetes Leben, Verlag am Eschbach 2003, S. 52)

Gebet eines 16-jährigen

Als ich sie sah, hatten sie mich lieb, meine Eltern.
Als ich mit ihnen sprach, wollten Sie mich nicht gehen lassen.
Als mich der Freund verriet, hielten sie mich fest.
Als ich ging, weinten sie um mich.
Als ich fort war, fingen sie mich auf.
Als sie merkten, dass mit mir ein anderes Leben – mein Leben – begann, bejahten sie mich.
Denn sie liebten mich, indem sie mich freigaben.

(Aus: Kuhn J., Wohin sollen wir gehen? Johannes Kiefel Verlag, Wuppertal 1972, S. 16)

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